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Schnarchwelt |
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Schnarchen
gefährlicher als bisher angenommen -
Wege aus der nächtlichen Atemnot
Im
Bett wird jede Nacht am Hausfrieden
gesägt: Frank L. (60) ist eigentlich
ein fröhlicher Mensch. Der gebürtige
Rheinländer liebt den Karneval,
seinen wöchentlichen
Männerstammtisch und dann und wann
ein gutes Gläschen Wein. Trotzdem
schleicht sich ein bitterer
Sarkasmus auf sein rundliches
Gesicht, als er von sich sagt, er
sei ein Single, der eine Ehefrau
hat. Hilde L. (58), schläft schon
seit Monaten nicht mehr im selben
Bett wie er. Nicht mehr seit jener
durchwachten Nacht, in der sie ihn
gleich zwei Mal vor dem scheinbaren
Erstickungstod retten zu müssen
glaubte: "Unser Eheleben ist seit
fast 40 Jahren intakt. Doch jetzt
müssen wir auf unsere ‚alten Tage’
getrennt schlafen, weil ich den Lärm
und die Angst bei jedem Röcheln und
bei jedem seiner Atemaussetzer
einfach nicht mehr ertragen kann.
Das belastet uns beide sehr."
Schuld an diesem Zustand ist ein
Phänomen, das so alt ist wie die
Menschheit und das vermutlich zu den
am meisten unterschätzten
Alltagsleiden überhaupt gehört: das
Schnarchen.
Geschätzte 30 Millionen erwachsene
Bundesbürger, zwei Drittel davon
Männer, schnarchen regelmäßig. Nicht
selten in einer Lautstärke, die dem
Lärmpegel eines in nächster Nähe
vorbeifahrenden Lastkraftwagens
entspricht. Wer das jede Nacht
anhören muß, leidet. Am Lärm des
Bettnachbarn, aber auch unter dem
verbreiteten Unverständnis Dritter:
"Als ich meinen Hausarzt darauf
ansprach, sagte er nur: ‚Wo ist das
Problem? Da nimmt man Oropax und das
Problem ist gelöst.’ Er hat mich
überhaupt nicht ernst genommen!“
klagt Frau L.
Schnarchen: immer nur ein Problem
des Anderen?
Vermutlich kann man diesem Mediziner
gar nichts vorwerfen, gibt er doch
nur wieder, wovon die meisten
Schnarcher ohnehin fest überzeugt
sind: daß es eigentlich gar kein
Problem gibt. „’Ich weiß nicht, was
du hast’, sagt er immer, wenn ich
ihn auf seine nächtliche Sägerei
anspreche. Er glaubt, alles sei in
Ordnung,“ so Frau L. Doch
verschiedene Untersuchungen haben
gezeigt, daß Schnarchen durchaus
alles andere als harmlos sein kann.
„Das typische Schnarchen wird durch
einen Engstand im Rachenbereich
hervorgerufen,“ erläutert
Christopher Schmeil vom Darmstädter
Silensor-Center für professionellen
Schnarchschutz. „Die
Gesichtsmuskulatur entspannt sich im
Schlaf. Dadurch klappt der
Unterkiefer irgendwann nach unten
beziehungsweise nach hinten, und der
daran befestigte Zungenboden
blockiert die Atemwege. Erkennbar an
dem typischen, leicht geöffneten
Schnarcher-Mund und natürlich an den
allseits bekannten Geräuschen, die
im Halsbereich durch weiche Gewebe
verursacht werden, wenn diese in der
Atemluft flattern, die der Körper
nun mühevoll einsaugen muß.“
Schmeil kennt viele Fälle wie den
des Herrn L.: „Die meisten glauben,
Schnarchen sei immer nur ein Problem
der anderen. Doch das stimmt nicht.
Schnarchen belastet auch den
Schnarcher. Je lauter das
Schnarchen, desto mehr wird das
Atmen zur anstrengenden Arbeit, und
das ausgerechnet in der Zeit, in der
sich der Körper eigentlich völlig
entspannen sollte. Ohne Entspannung
keine Erholung, und die fehlt dem
Schnarcher dann am nächsten Tag.“
Mögliche Folgen: Fahrigkeit,
Müdigkeit und sogar gefährlicher
Sekundenschlaf.
Wenn der Atem stockt, droht der
Adrenalinschock
Wer Glück hat, ist ‚nur’ müde und
gereizt. Bedenklich wird es
hingegen, wenn es nicht beim
Schnarchen bleibt, sondern im Schlaf
auch noch der Atem ausbleibt. Die
Fachbezeichnung hierfür lautet
Schlafapnoe, abgeleitet vom
griechischen Wort a-pnoe, „ohne
Luft“. Im Schnitt einem von drei
starken Schnarchern bleibt nächtens
regelmäßig die Luft weg. Mancher
kennt das nur allzu gut vom
Campingausflug, wenn die
Sägekonzerte männlicher Zeltnachbarn
praktisch ungefiltert durch die
dünnen Zeltwände ans Ohr dringen.
„Erst ein regelmäßiges, immer
lauteres Schnarchen, dann plötzlich
Stille, die einige Sekunden bis
mehrere Minuten anhalten kann,“
erläutert Schmeil den typischen
Verlauf eines solchen
Atemstillstandes. „Dann noch ein
kurzes, gequältes Röcheln, bis der
Betroffene panisch nach Luft
schnappend auffährt und gleich
darauf wieder erschöpft zurücksinkt.
Bis zur nächsten Schlafapnoe-Attacke.“
In extremen Fällen sind zwei bis
drei, vier und sogar fünf Minuten
kompletter Atemstillstand drin – ein
Wert, der selbst trainierten
Apnoetauchern, die ganz ohne
Sauerstoffflasche allein mit der
Luft in ihren Lungen tauchen,
gehörigen Respekt einflößt. Während
diese Hochleistungssportler jedoch
jahrelang trainieren, um durch den
gefährlichen Atemstopp keine
bleibenden Schäden zu riskieren,
legen Schlafapnoiker diese
zweifelhafte Leistung ohne jede
Sicherheitsvorkehrung bis zu 100 mal
in der Nacht hin. Regelmäßig
unterbrochen von plötzlichem
Aufwachen. „Der Körper schüttet
dabei in einer Art Notprogramm immer
wieder Adrenalin aus, um dem
drohenden Erstickungstod zu
entgehen, der Schnarcher wacht
schlagartig auf und kommt mit der
Zeit immer seltener und irgendwann
kaum noch in die erholsamen
Tiefschlafphasen. Kein Wunder, daß
sich die Betroffenen am nächsten Tag
wie gerädert fühlen“, so Schmeil.
Schnarcher ohne Atemaussetzer dürfen
sich jedoch keineswegs sicher
fühlen. Der Übergang zwischen
„normalem Schnarchen“ und
gefährlicher Schlafapnoe ist
fließend und kann sich mit den
Jahren verschieben. „Viele fangen
als ganz normale Schnarcher an,“
erklärt Schmeil, „und merken erst
sehr spät, daß sie schon längst
echte Apnoiker sind. Oft zeigen sich
zu diesem Zeitpunkt bereits
erhebliche körperliche
Beeinträchtigungen wie
Herz-/Kreislauf-Probleme oder
Depressionen als Folgen jahrelangen
Schnarchens mit Atemaussetzern.
Soweit muß es aber nicht kommen. Es
gibt wirksame Hilfe, wenn man das
Schnarchproblem rechtzeitig angeht.“ |
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